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Das Lizenzmodell von Craft CMS 1.0

Craft 1.0 Lizenzmodell - Teaser

In der Community gab es zuletzt einige Diskussionen und Fragen zur Craft-Lizenzvereinbarung, insbesondere von Plugin-Entwicklern, die sich durch die dortigen Einschränkungen benachteiligt fühlen. In einem ausführlichen Blogpost hat Pixel & Tonic dazu Stellung genommen. Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Die Logik hinter dem Lizenzmodell

Pixel & Tonic strebt danach, das beste CMS für möglichst viele verschiedene Websites zu schaffen, und ordnet jede Entscheidung diesem Ziel unter. Deshalb halten sie einige Einschränkungen für Plugin-Entwickler für notwendig. So sind beispielsweise Plugins verboten, die Malware verteilen oder undokumentierte APIs nutzen – das erscheint aus Sicherheits- und Stabilitätsgründen logisch.

Kritischer ist ein anderer Punkt: Es ist verboten, Plugins zu entwickeln, die Funktionen von Craft kopieren, egal ob aus dem Core oder aus Zusatzpaketen. Genau das stößt bei einigen Entwicklern auf Unmut, zumal Pixel & Tonic selbst als Plugin-Entwickler für ExpressionEngine bekannt wurde.

Der Hintergrund: Der Core von Craft ist kostenlos nutzbar und eignet sich zum Beispiel für persönliche Blogs oder Portfolios. Wer mehr Funktionen benötigt, kauft kostenpflichtige Zusatzpakete. Die Kosten steigen also mit dem Funktionsumfang. Damit dieses Modell funktioniert, benötigt Pixel & Tonic ein Monopol auf die Paketfunktionen.

Wer beispielsweise eine mehrsprachige Website erstellen möchte, muss das Languages-Paket erwerben. Wenn es mehrere Anbieter für dieses Paket gäbe, würde Pixel & Tonic daran nichts verdienen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pakete zwar im Core enthalten, aber nur durch Kauf freigeschaltet werden – somit wäre der Nachbau technisch kein großes Hindernis.

Meine Meinung

Letztlich verstehe ich beide Seiten. Das Freemium-Modell bietet Craft die Chance, auch in kleineren Projekten eingesetzt zu werden. Wer das CMS zunächst für den eigenen Blog nutzt und überzeugt ist, verwendet es später vielleicht auch für Kundenprojekte. Solange Craft noch von den Einnahmen der ExpressionEngine-Plugins quersubventioniert wird, ist das ein nachvollziehbarer Ansatz.

Trotzdem erscheint es merkwürdig, dass ausgerechnet Pixel & Tonic beim eigenen CMS den Wettbewerb einschränkt. Denn ihr Erfolg bei ExpressionEngine beruhte genau darauf, Funktionen anzubieten, die der Core nicht bot:

  • Wygwam -  ein kostenpflichtiger Rich-Text-Editor für alle, denen der eingebaute Editor nicht genügte.

  • Playa - ein kostenpflichtiges Plugin für bessere Beziehungen zwischen Channels und Feldern, für alle, denen das eingebaute Relationsfeld nicht ausreichte.

  • Assets - ein kostenpflichtiges Plugin für eine bessere Dateiverwaltung, für alle... ich denke, das Muster ist klar.

Die Kritik der Plugin-Entwickler ist daher gut nachvollziehbar. Ob Pixel & Tonic die Lizenzvereinbarung anpassen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht wäre es langfristig sinnvoller, das Grund-CMS kostenpflichtig zu machen und dafür auf Plugin-Ebene echten Wettbewerb zuzulassen. Davon würde das gesamte Ökosystem profitieren.

Craft’s license agreement, just like Craft itself, is currently at 1.0, and capable of changing. That is to say that we’re open to continuing the discussion, and will take all suggestions seriously. We just think that any reasonable debate is going to take into account our goals for the product and where we’re coming from.

— Brandon Kelly
Thomas Sausen

Webentwickler

Selbstständiger Webentwickler, der 2005 mit WordPress-Websites anfing, dann zu ExpressionEngine wechselte und 2013 sein Herz an Craft CMS verlor. Als Gründer von Craftentries, berichtet er seit 2015 über das Craft-Ökosystem.