Craft CMS Summit 2015
Am 22. April fand der Craft CMS Summit 2015 statt, erneut organisiert und moderiert von Christopher Schmitt von Environments for Humans. Bereits im Vorjahr hatte mich der Summit nachhaltig beeindruckt und meinen Craft-Workflow maßgeblich verändert. Die Veranstaltung 2015 war ebenso begeisternd.
State of Craft
Brandon Kelly, Gründer von Pixel & Tonic, eröffnete wie im Vorjahr mit einem Überblick über das Craft-Ökosystem. Die Zahlen sprechen dabei für sich:
- 66 Updates seit Craft 2.0
- 460 neue Funktionen, 491 Verbesserungen, 552 Bugfixes
- 88 % der aktiven Websites nutzen bereits Craft 2.3
- 260 Plugins auf Straight Up Craft
- 1.500 registrierte Nutzer auf craftcms.stackexchange.com, 2.600 Fragen, 96 % beantwortet
- 10.000 aktive Craft-Websites, gegenüber 3.300 im Vorjahr
Zu den Unternehmen, die Craft inzwischen einsetzen, gehören Airbnb, Foursquare und Oakley. Pixel & Tonic hat die Einnahmen gesteigert und das Team von drei auf sechs Mitarbeiter verdoppelt.
Auf dem Summit 2014 wurde ein Plugin-Store angekündigt, der bis heute nicht online ist. Auch zur Entwicklung von Craft 3 war es zwischenzeitlich ruhig geworden, doch mit diesem Summit änderte sich das.
Craft 3
Die Roadmap für Craft 3 ist in drei Phasen unterteilt: Dev Preview ab Mai 2015, Public Beta und schließlich Craft 3.0. Phase 1 bringt noch keine sichtbaren Änderungen im Control Panel mit sich, der Fokus liegt auf der technischen Basis.
Die wichtigsten Neuerungen sind:
- Yii 2 – optimiert für PHP 5.4, schneller, sicherer und mit besserer Dokumentation
- Überarbeitete Code-Basis – keine Trennung mehr zwischen Component Models und Types
- Neues Plugin-System – eigene Namespaces, Plugins sind jetzt Yii-Module, eine primäre Plugin-Klasse ist nicht mehr notwendig
- Erweiterte Element Queries – mehr Möglichkeiten bei der Abfrage von Elementen
- Volumes ersetzen Asset Sources
- Verbesserte Debugging-Funktionen
- Doppelte Performance – Craft 3 soll etwa doppelt so schnell sein wie Craft 2 und Drupal 7
Craft Commerce
Die größte Überraschung auf dem Summit war die Vorstellung von Luke Holder als siebtem Mitarbeiter von Pixel & Tonic durch Brandon Kelly. Luke hatte zuvor an einem E-Commerce-Plugin namens Market Commerce für Craft gearbeitet. Pixel & Tonic übernahm das Plugin und stellte Luke ein, um daraus Craft Commerce zu entwickeln.
We made a big splash today at the Craft CMS Summit: Pixel & Tonic has hired Luke Holder, and we have acquired his Market Commerce plugin!
Craft Commerce soll eine vollständige E-Commerce-Lösung für das Craft-Ökosystem werden und Funktionen für Produkte, Varianten, Bestellungen, Rabatte, Steuern, Versand sowie die Unterstützung der gängigsten Zahlungsdienstleister bieten.
I am excited to begin working with P&T on Commerce. I've worked hard to get the plugin where it is today, and by joining P&T, it's going to be even better.
Master and Controller
Joel Bradbury tauchte tief in die Architektur von Craft ein und zeigte auf, wie sich komplexe Frontend-Workflows realisieren lassen, während Craft die eigentliche Arbeit übernimmt. Thematisiert wurden unter anderem das Erweitern und Ersetzen nativer Controller, Method Chaining sowie die Frage, wann man Hooks, Extends, abstrakte Klassen oder Replacements einsetzt.
Advanced Component Management in Craft
Megan Zlock von Viget präsentierte, wie man mit Matrix Websites aus einfach zu pflegenden Komponenten aufbaut. Der Schwerpunkt lag auf der Umsetzung von Templates mit Partials, Komponenten und Makros nach dem DRY-Prinzip. Dieses Thema war zwar vom Summit des Vorjahres bekannt, wurde hier jedoch deutlich ausführlicher behandelt.
Programming in Twig
Marion Newlevant hielt einen Einführungskurs in Twig, von der Syntax über Variablen bis zu Kontrollstrukturen. Besonders hilfreich war die Klärung, wann Extends, Includes, Embeds und Makros sinnvoll eingesetzt werden sollten.
Craft for Content
Aaron Berkowitz von nclud zeigte die Möglichkeiten von Craft im Bereich Content Modeling. Als Beispiel diente Walt Disney World: Inhaltstypen wie Attraktionen, Schauplätze und Empfehlungen, deren Beziehungen untereinander sowie die Zuordnung zu Sektionstypen. Ein praxisnaher Ansatz, der verdeutlicht, wie flexibel Craft bei komplexen Inhaltsstrukturen ist.
Diving Deep into Craft Plugins
Adam McCombs widmete seinen Vortrag dem Plugin-Ökosystem. Er stellte 20 Plugins anderer Entwickler vor und gab anschließend Tipps zur Entwicklung eigener Plugins, einschließlich der Unterschiede zwischen dem Standard-MVC-Modell und dem von Craft.
Fazit
Der Craft CMS Summit 2015 erreichte mindestens das Niveau des Vorjahres. Dank der Craft-3-Roadmap gibt es nun endlich Klarheit darüber, in welche Richtung sich das CMS entwickeln wird. Mit Craft Commerce wurde zudem eine echte Bereicherung vorgestellt, denn eine native E-Commerce-Lösung macht das CMS für eine ganz neue Kundengruppe interessant. Dass das Team gewachsen ist und sich die Nutzerzahl innerhalb eines Jahres verdreifacht hat, zeigt, dass Craft seine Kinderschuhe abgelegt hat.